Plastik im Meer

von Esther Böhmer

Adidas will mit Sneakers und Jeans aus Meeresplastik die „Welt ein kleines bisschen besser machen“ und so einen Schritt in Richtung der Lösung der Plastikproblematik in unseren Meeren wagen. Sind solche Kampagnen wirklich sinnvoll? Und: Wie kommt das Plastik überhaupt ins Meer?

Auch wenn es das Wort „Meeresplastik“ noch nicht ins Wörterbuch geschafft hat, so ist es doch längst bittere Realität: Millionen Tonnen Plastikmüll lagern in den Weltmeeren, zersetzen sich, werden von den Meerestieren mit Futter verwechselt und kommen so im letzten Schritt wieder dorthin zurück wo es herkommt: zu uns Menschen. Dieses Problems nehmen sich nun nicht mehr ausschließlich Umweltschützer und Aktivisten an, sondern mittlerweile auch die Fashion-Industrie: Recyceltes Plastik wird hier zum Rohstoff für Kleidung. Klingt doch eigentlich wunderbar…

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© Parley for the Oceans

Impossible is nothing?

Modegigant adidas versucht sich zurzeit an einer Kampagne, die den Umweltschutz miteinbezieht und will aus Meeresplastik Kleidung herstellen. Dabei sind sie nicht die ersten: G-Star hat bereits letztes Jahr mit „Raw for the Oceans“ eine ähnliche Strategie entwickelt. Doch in wie weit sind solche Kampagnen wirklich sinnvoll? Kritik wurde bereits laut – zum Beispiel von Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, der die Verwendung bestimmter Kunststoffe in der Textilproduktion als problematisch sieht: Beim Waschen lösen sich nämlich Kunststofffasern aus der Kleidung und geraten so erst wieder in den Wasserkreislauf. Dieses sogenannte „Mikroplastik“ hat noch schlimmere Folgen für die Meereswelt als größere Plastikteile, da dieses aufgrund seiner geringen Größe noch einfacher in die Nahrung der Meeresbewohner kommt.

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© Plastic Oceans Foundation

Mikroplastik und Makroplastik

Generell unterscheidet man bei Meeresplastik zwischen Mikro- und Makroplastik. Mikroplastik bezeichnet kleinste Plastikteilchen und -partikel, Makroplastik die größeren Teile, wie beispielsweise Flaschen, Spielzeug oder andere Gebrauchsgegenstände. Das Plastik gelangt auf unterschiedlichsten Wegen ins Meer, wie beispielsweise als unachtsam weggeworfener Abfall, vom Wind weggetragene Plastiksäcke oder über Bord gegangener Müll aus der Schifffahrt. Doch diese Beispiele umfassen noch lange nicht alle Möglichkeiten, denn vor allem Mikroplastik gelangt ganz unbemerkt in unseren Wasserkreislauf. Nur wenige wissen, dass vor allem in Funktionsbekleidung und Fleece viel Kunststoff enthalten ist, der beim Waschen ins Wasser gelangt, oder dass in fast allen Kosmetikprodukten Plastik enthalten ist. Vor allem in Peelings und Zahnpasta finden sich winzige Plastikkügelchen und Kunststoffe, die direkt von unserem Badezimmer übers Abwasser den Weg ins Meer antreten. Auch Kläranlagen stellen für das Mikroplastik meist kein Hindernis dar, da sie auch dort nicht aus dem Wasser gefiltert werden können.

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© Andrew Polandeze

Globale Lösung notwendig

Ein Beweis für die besorgniserregende Problematik findet sich in den „Garbage Patches“, den sogenannten „Müllstrudeln“ – Ansammlungen von Plastik und anderem Müll in den Meeren, die durch die Strömung in bestimmten Gebieten zusammengetragen werden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, muss man sich der Herausforderung global stellen. Wir alle können mit Recycling-Maßnahmen und einer Änderung unseres Konsumverhaltens etwas gegen die Verschmutzung unserer Meere tun – auch wenn man nicht sicher weiß, ob Öko-Kampagnen wie die von adidas die gewünschte Wirkung erzielen, sie können uns aber sehr wohl als Denkanstoß dienen. Zusätzlich wird durch Kampagnen von großen Konzernen die Gefahr, die vom heutigen Konsumverhalten ausgeht, der breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt und so auf die Plastikproblematik global aufmerksam gemacht.

 

Wenn Sie mehr zum Thema Meeresplastik erfahren wollen:

Wo der Plastikmüll herkommt (Interaktive Weltkarte)

Beispiel für die Auswirkung der Meeresverschmutzung

Wissenschaftler suchen nach Möglichkeiten der Lösung

Wer ist schuld an der Meeresverschmutzung?

Unser Blogartikel von letzter Woche

 

Text von Esther Böhmer

Titelbild: © Plastic Oceans Foundation

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