Papier sparen – Umwelt retten?

von Esther Böhmer

Die digitale Revolution war die große Hoffnung der Umweltschützer: Mit der Einführung des Internets wurden immer mehr Daten elektronisch gespeichert – eine deutliche Tendenz weg vom Papier. Ist der Traum vom papierlosen Büro wirklich real oder reine Wunschvorstellung?

Vor einiger Zeit fand sich der Großteil des Wissens noch in Form von Büchern, Magazinen und anderen Publikationen und Schriftstücken in Bibliotheken, Archiven und Bücherregalen. Doch seit dem Anbruch des Zeitalters der Computer, USB-Sticks, Festplatten und vor allem des World Wide Web bewegt sich der Trend stark in die Richtung elektronischer Datenspeicherung und –verbreitung.
2007 fanden Forscher der University of Southern California in einer Studie heraus, dass bereits 94 Prozent der weltweit verfügbaren Informationen digital gespeichert werden. In den letzten Jahren hat sich diese Entwicklung noch viel stärker fortgesetzt: Einer BCC Studie zufolge lag der Wert der weltweiten IT und Kommunikationstechnologie im Jahr 2010 bei $38,4 Milliarden, bis Ende 2015 wurde die unglaubliche Zahl von $58,4 Milliarden vorhergesagt – ein sehr großer Sprung in nur fünf kurzen Jahren. Professor Eric Williams vom Golisano Nachhaltigkeitsinstitut bringt die Problematik genau auf den Punkt: „Die Technologien sind effektiver als vor 20 oder 30 Jahren; das bedeutet aber nicht zwingend einen reduzierten ökologischen Fußabdruck.“

© Japanexperterna.se

© Japanexperterna.se

Ein Teufelskreis

Das große Problem: Je effizienter, umweltfreundlicher und besser die Technik wird, desto mehr wird davon gekauft – ein wahrlicher Teufelskreis. Ein Umdenken war nötig – und das gab es auch. Das papierlose Büro ist das perfekte Beispiel für einen Traum, der zwar in der Theorie toll funktioniert, in der Praxis aber einerseits schwierig umzusetzen, andererseits aber vor allem kritisch zu betrachten ist. Denn obwohl durch Einsparung von Papier die Umwelt einerseits profitiert, gibt es andererseits doch einige Bereiche, in denen die Umwelt sogar leidet. Beispiele hierfür wären die umweltbelastende Herstellung und teilweise sehr verantwortungslose Entsorgung der elektronischen Geräte, die als Ersatz für Papier eingesetzt werden – eine Umweltbelastung, die vielleicht sogar schwerer wiegt als der Rohstoffverbrauch für die  Papierherstellung.

© David Morris

© David Morris

Pro und Kontra

Das papierlose Büro ist ein kontroverses Thema und hat einige Vor-und Nachteile. Vorteile wären beispielsweise eine enorme Platzeinsparung durch die fehlenden Mappen und Ordner – Bequemlichkeit, da man sich die Suche nach Rechnungen oder anderen Dokumenten in Ordnern oder Abstellkammern erspart – finanzielle Einsparungen durch weniger Miete für Lager- und Stauräume und vor allem der Aspekt der Umweltfreundlichkeit und der Schutz der Wälder und Waldflächen, die durch Papiereinsparung gerettet werden.
Zu den Nachteilen zählen andererseits wiederum hohe Kosten für die erforderliche Technik und Technologie, Soft- und Hardware, die schließlich einen einwandfreien Ablauf garantieren muss. Bezüglich der Software können, abgesehen der Kosten, immer Fehler Auftreten – Bugs und Serverprobleme sind bei großen Datenmengen nicht selten. Das letzte große Problem hat mit Technik nichts zu tun und ist sowohl ärgerlich aber leider auch unvermeidlich: das menschliche Fehlverhalten. Denn Fehler passieren – vor allem in der schnellen Welt der IT, in der der Aspekt der Sicherheit eine wichtige Rolle spielt: Daten können verloren gehen oder im schlimmsten Fall sogar in falsche Hände geraten.

© Ryoji Ikeda

© Ryoji Ikeda

Der goldene Mittelweg

Eine ganzheitliche Lösung – ein Geschäftsumfeld gänzlich ohne Papier – ist nicht nur schwer umsetzbar, sondern vor allem nicht immer erstrebenswert. Trotzdem bleibt das Einsparen von Papier und daher auch von Rohstoffen zu befürworten, denn man kann auch mit kleinen Schritten etwas für die Umwelt tun und so Ressourcen schonen und muss nicht den radikalsten Weg gehen. Mit Recyclingpapier und anderen Materialien, die aus umweltschonender Produktion kommen, lassen sich erste kleine Schritte einfach verwirklichen. Dazu sollten Mitarbeiter angeleitet und motiviert werden, weniger Papier im Büroalltag zu verbrauchen – beispielsweise durch weniger oder beidseitige Ausdrucke. Man könnte sogar Kunden, Geschäftspartner und Lieferanten dazu inspirieren, Papier zu reduzieren, wodurch zusätzlich ein umweltfreundliches Image nach Außen vermittelt wird und unsere wertvollen Ressourcen weiter eingespart und bewahrt werden.

© Martin Fisch

© Martin Fisch

Ihre Meinung