Nachhaltig lesen: biokontakte.com

von Andreas

Wir bei Saubermacher sind bei weitem nicht die einzigen, die über Nachhaltigkeit schreiben. Viele Gleichgesinnte sind ebenfalls damit beschäftigt, spannende Storys und Berichte aus diesem breiten Themenkomplex aufzubereiten, um so den verschiedenen Aspekten jene Aufmerksamkeit zu geben, die sie verdienen.

Der erste Schritt zu einem nachhaltigeren Lebensstil ist wohl das bewusstere Einkaufen. Steht man vor einem Supermarktregal, dann strahlen einem die verschiedensten Gütesiegel, Zertifikate und Öko-Labels entgegen – was aber ist glaubwürdig? Diese Frage stellte sich auch Isabella Stranzl, und sammelte die Antworten auf biokontakte.com. Ihre Website ist mittlerweile aber mehr als nur ein Verzeichnis von Gütesiegeln und nachhaltigen Einkaufsmöglichkeiten. Die dreifache Mutter schreibt über Recycling ebenso wie über Energie, Gesundheit und Kosmetik. Was alle Artikel eint, ist auf jeden Fall der Apell, dass jeder einzelne durch einen bewussteren Lebensstil einen großen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann.

Bio-Produkte boomen, Fairtrade ist auf dem Vormarsch. Isabella Stranzl beantwortet uns, worauf wir aber trotzdem achten müssen.

 

Bio- und Fairtrade-Produkte stehen derzeit hoch im Kurs. Wie behalte ich aber bei den vielen verschiedenen Siegeln und Zertifizierungen den Überblick?

Die Frage, wie man sich in der regelrechten „Labelflut“ für Bio- oder Fairtrade-Produkte zurechtfindet ist berechtigt. Kaum ein Unternehmen, welches nicht am Nachhaltigkeits-Boom mitnaschen möchte und seine eigenen Gütesiegel erfindet. Hier kann ich nur empfehlen, sich an die offiziellen Zertifizierungen zu halten, welche gesetzliche Vorgaben und Definitionen zu „Bio“ oder „Fairtraide“ einhalten müssen und dem Konsumenten die Sicherheit geben, dass das Unternehmen die gesetzlich vorgegebenen Richtlinien einhält.
Allen voran ist hier natürlich das EU-Bio-Gütesiegel zu nennen, welches klaren gesetzlichen Regelungen und Kontrollen unterliegt und Produkte aus zumindest 95 % „kontrolliert biologischem (ökologischem) Anbau“ verspricht.
Unternehmensinterne Siegel mit Bezeichnungen wie „aus naturnahem Anbau“, „aus kontrolliertem Anbau“ oder etwa „umweltgerechter Landwirtschaft“ haben mit Bio nichts zu tun!
Bei Fairtrade-Produkten ist es einfacher, denn hier gibt es nicht so viele Nachahmer. Alle mit dem bekannten „Fairtrade-Siegel“ versehenen Produkte entstehen unter bestimmten sozialen und teilweise auch ökologischen Kriterien und können mit gutem Gewissen gekauft werden.

 

Sie schreiben: „Die Zeit, in der Konsumbewusstsein vor allem Verzicht bedeutete, ist vorbei!“ Aber gibt es nicht noch immer Produkte, auf die man im Sinne der Nachhaltigkeit verzichten sollte?

Selbstverständlich gibt es viele Produkte, auf die man verzichten oder nur eingeschränkt kaufen sollte. Meiner Ansicht nach gibt es jedoch für fast alles auch gesunde, beziehungsweise tier- und umweltfreundliche Alternativen. Man verwende Glas oder Metall statt Plastik, kaufe Lebensmittel aus biologischem statt konventionellem Anbau, bevorzuge Fleisch aus artgerechter Tierhaltung und Naturkosmetik anstatt synthetischer Paraffinpappe. Niemand, der nachhaltig leben möchte, muss in einer Höhle im Wald wohnen und Beeren sammeln. Wir müssen nur unser Gehirn einschalten, eigenverantwortlich handeln und uns vom Konsumwahnsinn verabschieden.

 

Besser als Recycling wäre ja eine grundsätzliche Vermeidung von Abfällen. In welchen Bereichen kann ich das ganz einfach erreichen?

Abfall vermeiden ist gar nicht so schwierig wie es anfangs erscheint. Ich selbst halte mich so oft es geht an die 5-R-Regel: Refuse what you do not need, Reduce what you do need, Reuse what you consume, Recycle what you cannot Refuse, Reduce or Reuse, and Rot (Compost) the rest.

Was Du nicht brauchst… weglassen!
Was Du brauchst… reduzieren!
Was Du konsumierst… wieder verwenden!
Was Du nicht weglassen, reduzieren oder wieder verwenden kannst… recyceln!
Den Rest… kompostieren!

Einfache Möglichkeiten für den Alltag wären da zum Beispiel ein Stoffbeutel oder Korb zum Einkauf mitzubringen, und an der Kasse kein Plastiksackerl zu kaufen. Keine Einwegprodukte kaufen! Den guten alten waschbaren Putzlappen statt Küchenrolle, Jausenboxen aus Alu oder BPA-freiem Kunststoff statt Jausensackerl, Schreibgeräte, die mit neuen Patronen oder Minen lange verwendet werden können, statt dem billigen asiatischen Ramsch-Kuli und Ausdrucke am PC nur vornehmen, wenn man sie wirklich braucht. Vor allem auch beim Lebensmitteleinkauf nachdenken, denn immer noch landen Unmengen an Nahrungsmittel im Müll.

 

Viele Firmen achten mittlerweile verstärkt auf ein positives Image im Bezug auf Ökologie und Nachhaltigkeit. Wird es wirklich zunehmend leichter, nachhaltig einzukaufen, oder sind das eher Marketingtricks?

Natürlich versuchen viele Unternehmen durch „Greenwashing“ und gezielte Werbetricks die Konsumenten zu täuschen und vom Nachhaltigkeits-Boom zu profitieren. Hier sind wir alle angehalten, uns genau zu erkundigen, die Augen offen zu halten und Aussagen zu hinterfragen.
Es wird aber allgemein ganz eindeutig leichter, nachhaltig einzukaufen. Die Konsumenten werden kritischer und der Markt richtet sich immer nach den Wünschen der Käufer. Die Nachfrage bestimmt immer noch das Angebot. Das war immer schon so und das wird auch so bleiben. Das bedeutet: Kaufen Sie keine Produkte, die Sie nicht gut finden, hinter deren Art der Herstellung sie nicht stehen oder deren Inhaltsstoffe sie nicht mögen. Und sie werden binnen kürzester Zeit aus den Regalen verschwinden. Mit jedem Kauf geben wir eine Stimme ab – nutzen wir sie!

 

Sie sind Mutter von drei Kindern. Wie bringen Sie ihnen bei, dass selbst die kleinsten Schritte, die man persönlich für die Umwelt setzt, große Auswirkungen haben können?

Schwierige Frage! Nachdem nachhaltig zu leben bei uns zum Alltag gehört, kennen sie es gar nicht anders. Alltägliches wie Abfallvermeidung, der Einkauf biologischer Lebensmittel und die Verwendung von Naturkosmetik wird gar nicht in Frage gestellt. Meine Kleinen sind aber auch ganz normale Kinder mit ganz normalen Wünschen, jedoch versuche ich sie immer zu sensibilisieren und Ihnen die Auswirkungen von Produktion oder Verwendung diverser Produkte vor Augen zu halten. Wir wägen dann gemeinsam ab, ob der Kauf wirklich notwendig ist oder nicht. Meine Kinder haben ein großes Herz für Mensch, Tier und Umwelt und erfüllen sich ihre Wünsche nicht um jeden Preis. Das macht mich sehr stolz! Kinder sind grundsätzlich sehr offen für das „Gute“, wenn man es ihnen kindgerecht erklärt.

Meinungen

  1. Nachdem es keinen “gefällt mir” Button gibt bringe ich es in Worten zum Ausdruck. Der Artikel gefällt mir, er ist leicht verständlich und von einer überzeugenden Logik. Vieles davon beherzige ich schon seit Langem und für neue bzw. weitere Anregungen bin ist ständig offen und aufgeschlossen.

  2. Ich nehme mir die Zeilen “was du nicht brauchst”.. etc. zu Herzen. Sie sind ganz einfach zu befolgen.
    Warum können wir nicht den Staat zwingen, die Plastiksackerln zu verbieten. Diese richten bis in die Meere Schäden an. Wo gibt es Petitionen zum unterschreiben ?
    mfg Hubbauer

  3. Liebe Renate,
    unter diesem Link findest du eine Petition für das EU-weite Verbot von Plastiksackerln. Im Januar wurden bereits rund 14.000 Unterschriften an die Europäische Kommission übergeben, man kann jedoch weiter unterzeichnen, da die Petition auch dem österreichischen Umweltministerium vorgelegt werden soll. In der dazugehörenden Facebookgruppe kann man sich zu dem Thema austauschen und findet auch den einen oder anderen Tipp, den eigenen Plastikverbrauch zu reduzieren!
    LG Andreas

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