Mit Zero Waste zum Erfolg

von Andreas

Will man heute ein erfolgreiches Unternehmen gründen, braucht man nicht nur eine gute Geschäftsidee, nein, man muss auch gut mit Zahlen umgehen können. Vorzugsweise mit positiven, aber auch die Null hat ihren Reiz. Und zwar als Zero Waste – einem Ansatz, der von immer mehr jungen Unternehmen verfolgt wird.

Alle Unternehmen tragen Verantwortung, die weit über ihre Produkte und Dienstleistungen hinaus reicht. Doch während einige Global Player diese Verantwortung aus Profitgründen eher schmal auslegen, wächst die Gruppe derer, die mit ihren Betrieben ökologisch nachhaltige Geschäftsmodelle etablieren. Und das ziemlich erfolgreich.

 

Da greift man gern zur Flasche

Zwei davon sind Georg Tarne und Paul Kupfer. Beiden kam es sehr seltsam vor, dass Wasser irgendwo in Plastikflaschen abgefüllt und quer durchs Land transportiert wird, nur um es dann erst wieder vom Supermarkt nachhause zu schleppen. Immerhin, so sagen beide, sei das Leitungswasser in Deutschland und Österreich eines der am strengsten kontrollierten und daher auch eines der am höchstqualitativen Lebensmittel. Um dieses Wasser stilecht und vor allem ohne den  in handelsüblichen Plastikflaschen enthaltenen Weichmachern zu transportieren, kreierten sie die Soulbottles. Stylishe, schlanke Glasflaschen in individuellen Designs, die wenngleich geschmacksneutral, dennoch von guten Geschmack zeugen. Prodiziert wird derzeit noch in Italien – selbstverständlich fair und nachhaltig. Tarne und Kupfer sagen damit dem Plastikwahn den Kampf an. Zero Waste hat selten so gut ausgesehen. Und als Draufgabe geht auch noch ein Anteil jeder verkauften Flasche an ein Hilfswerk, dass sich für die Trinkwasserverteilung in Afrika einsetzt. Denn eines darf man nicht vergessen: Während wir unsere Soulbottles am Wasserhahn füllen, hat rund eine Milliarde Menschen noch immer keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser.

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© soulbottles

 

Die zweite Chance für den Computer

Eine andere Geschichte hat Rüdiger Wetzel zu erzählen. Er arbeitete bereits zu Studienzeiten als EDV-Betreuer. Für sein eigenes Business wollte er aber mehr. Die Idee der ökosozialen IT war geboren. Bei Compuritas sammelt er seit 2009 ausrangierte PC-Systeme und bereitet diese wieder auf. Verkauft werden diese dann zu geringen Preisen an bedürftige Haushalte, Schulen und Vereine. Compuritas betreibt also „digitale Umverteilung“. Unternehmen freuen sich, weil sie so die Entsorgungskosten einsparen können, die Käufer der aufbereiteten PCs freuen sich über den vergleichsweise günstigen Zugang zur digitalen Welt und Wetzel freut sich, dass er damit der Wegwerfgesellschaft einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Neben den Second-Hand-PCs vertreibt er in seinem Shop aber auch Green-IT, also Geräte, die bis zu 50 Prozent weniger Energie verbrauchen als andere handelsübliche Computer. 2011 wurde er damit schon beim österreichischen TRIGOS ausgezeichnet, er hat aber weiter große Pläne. Immerhin landen allein in Österreich jährlich rund eine Million alte Rechner auf dem Müll.

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© Compuritas

 

Jeans auf Zeit

Einer der aufwendigsten Schritte beim Recycling ist das richtige Sammeln. Der Holländer Bert van Son hat sich diese Sammlung direkt in den Businessplan geschrieben – und zwar auf kreative Weise. Der Betreiber des Jeanslabels Muds Jeans verkauft seine Jeans nicht, er vermietet sie. Für 20 Euro erhalten seine Kunden eine Jeans, danach zahlen sie ein Jahr lang knappe sechs Euro monatlich. Und nach Ablauf des Jahres wird sie zurückgeschickt – zugleich kann man sich natürlich ein neues Paar bestellen. Kreislaufwirtschaft in Reinkultur sozusagen.
Die retournierten Hosen werden zerfasert und recycelt – also zu neuen Jeans, Taschen und Hoodys verarbeitet. Allein in Holland werden im Jahr rund 135 Millionen Kilo Baumwolle weggeworfen, der Großteil davon wird verbrannt. Muds Jeans will dem entgegenwirken. Leasing im Modebereich, das eine Wiederverwertung garantiert, ist da bestimmt ein Schritt in die richtige Richtung. Produziert werden die Jeans übrigens in Italien – aus fair gehandelter Biobaumwolle.

 

 

Einkaufen ohne viel Drumherum

Egal was man auf seiner Einkaufsliste stehen hat, eines bringt man garantiert immer mit nach Hause: Verpackungsmüll. Das Müsli kommt im Plastikbeutel und zusätzlichem Karton, die Milch aus dem Plastikpackerl und auch das Obst wird noch schnell im Einwegsackerl eingetütet. Sara Wolf und Milena Glimbovski hat das schon immer gestört – und nachdem sie keine Alternative dazu gefunden haben, haben sie sie selbst geschaffen. Nach langer Vorlaufzeit und einem überaus erfolgreichen Crowdfunding-Abenteuer haben die beiden im September letzten Jahres mit „Original Unverpackt“ ihren ersten verpackungsfreien Supermarkt in Berlin gegründet. Das Sortiment reicht von Hygiene- und Kosmetikprodukten bis hin zu einer breiten Palette von ökologisch produzierten Lebensmitteln und kommt ohne jedwede Verpackung aus, auch bei der Anlieferung durch die Produzenten. Abgefüllt wird in mitgebrachte Behälter oder Leinensäcke, Milch und Marmelade wird in Pfandflaschen und –gläsern vertrieben. Und obwohl das Angebot schon jetzt einen breiten Bogen von Algen-Tofu bis zur Zimtstange spannt, wollen die Gründerinnen noch in diesem Jahr mit einem zweiten, größeren Markt nachlegen. Auch über ein Franchise-System wird schon nachgedacht.

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© Katharina Massmann / Original Unverpackt

 

Titelbild: © Katharina Massmann / Original Unverpackt

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