Ich packe meinen Rucksack und nehme mit…

von Esther Böhmer

… eine erschreckend große Menge an Erdressourcen. Der ökologische Fußabdruck dürfte vielen bereits ein Begriff sein. Er dient als Konzept für die Erfassung des individuellen Rohstoffverbrauchs eines Menschen. Doch von dem „ökologischen Rucksack“ haben erst die wenigsten etwas gehört. Obwohl er einen ähnlichen Ansatz wie sein bekannteres Pedant vertritt, zeichnet der Rucksack ein schärfer konturiertes Bild der Ökobilanz, da er jedem einzelnen Produkt „umgehängt“ werden kann.

Kiloschwerer Konsumwahn

Tagtäglich sind wir von Millionen von Produkten umgeben und nehmen unzählige Dienstleistungen in Anspruch. Dass diese nicht alle einzeln in unserem ökologischen Fußabdruck aufgenommen werden können, erscheint daher nur logisch. Aus diesem Grund wurde auch das Konzept des ökologischen Rucksacks entwickelt. Er zeigt die Menge an Ressourcen an, die bei der Herstellung, beim Gebrauch sowie bei der Entsorgung eines Produktes oder einer Dienstleistung verbraucht werden. Für ein Kilo Kunststoff werden beispielsweise fünf Kilo Ressourcen benötigt. Wird den Produkten dieser Rucksack „umgehängt“, werden sie folglich um ein Vielfaches schwerer als ihr eigentliches Gewicht. Eine einfache Jean kommt so schnell einmal auf 30 kg, ein Laptop auf 743 kg und eine Kühl-, Gefrierschrankkombination auf ganze 2381kg. Hinter der bildhaft einfachen Darstellung des Rucksacks, steckt jedoch ein raffiniertes System: Dieses nennt sich „MIPS“ – Material-Input pro Serviceeinheit) und lässt sich nicht nur auf Produkte und Dienstleistungen, sondern auch auf einen Haushalt, ein Unternehmen oder auch auf eine Stadt oder eine ganze Nation übertragen. Durch die gewonnenen Zahlen tritt vor allem eines wieder ganz deutlich ans Tageslicht: Der Rohstoffverbrauch in den Industriestaaten ist um ein Vielfaches zu hoch.

© Tokyo incase

© Tokyo incase

 Light-Produkte mal anders

Waren vor einigen Jahren „die Grünen“ aufgrund ihres Umweltaktivismus noch als „Ökofuzzis“ verschrien, so hat sich ihr Image ähnlich radikal geändert wie das Klima selbst – denn Ressourceneffizienz und Umweltschutz stehen heutzutage ganz oben auf der politischen Agenda. Politiker, Umweltforscher und Aktivisten beschäftigten sich seit Jahrzehnten mit der Frage, was denn gegen die Umweltverschmutzung getan werden kann. Als Antwort gibt es bereits zwar viele Theorien und Konzepte, doch werden diese in den seltensten Fällen auch eingehalten. In der Umweltdebatte geht es jedoch vor allem um eines, nämlich den Tunnelblick endlich abzulegen und weiter zu denken. Eine reine Reduktion des CO2-Austoßes reicht schon lange nicht mehr, um die Welt zu retten. Der Umweltexperte Schmidt-Bleek, der Erfinder des Rucksack-Konzepts, formuliert dies folgendermaßen: „Wenn am hinteren Ende der Wirtschaft zu viel umweltgefährlicher Abfall und auch zu viele Emissionen herauskommen, dann sollte man vorher weniger Natur in die Wohlstandmaschine hineinstecken.“ Weiters verlangt er eine Senkung des Ressourcenverbrauchs auf ein Zehntel. Erst durch eine Reduktion in allen Bereichen des Lebens, angefangen von der wirtschaftlichen Produktion bis hin zum Konsum, kann ein nachhaltiger Klimaschutz garantiert werden. Er fordert sowohl eine „light“ Version von Produkten und Dienstleistungen als auch eine Änderung im Konsumverhalten der Menschen.

© Zhao

© Zhao

Think globally – act locally

Diese Welt zu retten ist wohl unsere größte Aufgabe. Und gleichzeitig auch unsere größte Herausforderung. Doch nach und nach zeigt sich eine immer stärker werdende Sensibilisierung der Gesellschaft bei Umweltthemen. Es sind viele neue Trends zu verzeichnen, die auf jeden Fall in die richtige Richtung gehen. Beispielsweise die „sharing economy“, bei welcher es nicht mehr ums Kaufen geht, sondern um das Tauschen und Teilen in einer Gemeinschaft. Auch hier gilt der Leitsatz: Global denken, lokal handeln. Und das zusammen. Denn nur gemeinsam kann es uns gelingen, den Rucksack Kilo für Kilo leichter werden zu lassen.

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