Grün gefeiert

von Andreas

In der letzten Woche blickte wohl ganz Europa auf die österreichische Bundeshauptstadt. Als Austragungsort des 60. Eurovision Song Contest wurde Wien zur Kulisse einer Großveranstaltung, die ihresgleichen sucht. Und die übrigens zum ersten Mal nachhaltig als „Green Event“ durchgeführt wurde.

Österreich ist damit ein Vorreiter – in ganz Europa gibt es keine vergleichbaren Initiativen zur Förderung nachhaltiger Veranstaltungen. Von Umweltministerium und dem Österreichischem Ökologischen Institut ins Leben gerufen, zertifiziert „Green Events“ ausschließliche Veranstaltungen, die Kriterien wie etwa umweltverträgliche Anreisemöglichkeiten, nachhaltiges Catering und ein gut durchdachtes Abfallmanagement erfüllen. Die Wahl der Ausschankbecher ist hierbei ein wichtiger Aspekt.

Bei kleinen Gartenpartys spricht nichts dagegen, seinen Gästen Mahlzeiten und Getränke in Keramik-Tellern und echten Gläsern zu servieren. Denn auch wenn der anschließende Abwasch mühsam ist – man spart so rund 90 Prozent an Abfall ein. Bei größeren Veranstaltungen ist dies schon aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Hier wird auf Plastikbecher zurückgegriffen – was aber ist hier die ökologischste Lösung?

Stadträtin Ulli Sima und Cup Solutions-Chef Christian Chytil präsentieren die offiziellen Becher für den Songcontest 2015 / © Christian Jobst, PID

Der Mehrwegbecher siegt.

Mehrweg-Becher aus Kunststoff werden immer populärer. Das Becherpfand sorgt für die Rückgabe, anschließend werden sie gereinigt und erneut ausgegeben. Kritiker prangern oft den erhöhten Energie- und Rohstoffbedarf bei ihrer Erzeugung an – eine Studie, die im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft durchgeführt wurde, gab jedoch Entwarnung: Selbst das ökologisch ungünstigste Mehrwegbecher-Szenario reduziert die Umweltbelastung im Vergleich zu dem besten Einwegbecher-System um die Hälfte. Die Entsorgungskosten sinken dabei ebenfalls um 50 – 70 Prozent.

Den Mehraufwand bei der Produktion machen die Mehrwegbecher durch ihre längere Verwendungszeit wieder wett – sie werden durchschnittlich 100 Mal wiederverwendet. Das schlechte Abschneiden der Einwegbecher resultiert auch aus den mangelnden Recycling-Möglichkeiten der Becher – sie landen bei Events sehr oft im Restmüll und sind daher für das stoffliche Recycling verloren. Aber selbst wenn sie sortenrein getrennt und recycelt werden, ist eine gleichwertige Verwendung nicht mehr möglich – es wird downgecycelt. Beschichtete Pappbecher stehen im Vergleich zu den Mehrwertbechern ebenfalls keine Alternative dar – auch ihr Einsatz bringt eine doppelt so hohe Umweltbelastung mit sich.

© Lee Jordan

© Lee Jordan

Ist biologisch abbaubarer Kunststoff die Lösung?

Leider sind Becher aus biologisch abbaubaren Kunststoffen wie etwa PLA für viele Veranstaltungen keine brauchbare Alternative. Ihr Erweichungspunkt liegt bei rund 60°C – es können also nur kalte Getränke und Speisen serviert werden. Zudem stammt die für die Herstellung des Kunststoffs verwendete Maisstärke zu größten Teilen aus den USA – die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen kann also nicht ausgeschlossen werden. Die Studie kommt zu dem Schluss: „Ein sehr leichter Kunststoffbecher aus fossilen Rohstoffen, der dem Recycling zugeführt wird, verursacht eine geringere Umweltbelastung als biologisch abbaubare PLA-Becher“.

© Petras Gagilas

© Petras Gagilas

Betrachtet man Bechersysteme über den gesamten Stoffkreislauf hinweg, kommen interessante Ergebnisse zu Tage. Nachhaltigkeit ist eben kein kurzfristiges Ziel, sondern ein stetiger Prozess, in dem Produktion, Entsorgung und Recycling intensiv zusammenarbeiten müssen. Auch die Saubermacher AG engagiert sich mit ihren Event-Services in diesem Bereich. Die enge Zusammenarbeit mit der Initiative „G’scheit feiern“ etwa, hat in den letzten Jahren bei über 3000 Festen rund 2200 Tonnen Abfall eingespart.

 

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