„2000 Tonnen an Batterien verschwinden spurlos!“

von Andreas

Wir verwenden sie in unseren Taschenlampen, Fernbedienungen oder vielleicht auch in unserem Kinderspielzeug. An Smartphones, Laptops und MP3-Player wäre ohne sie nicht zu denken. Aber was passiert eigentlich, wenn wir unsere Batterien und Akkus nicht mehr brauchen?

Gerald Schmidt, Leiter des Kompetenzzentrums Batterien bei Saubermacher, beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dieser Frage. Der studierte Umweltsystem-Wissenschaftler hat nach verschiedenen Positionen bei Saubermacher -hauptsächlich im Forschungs- und Entwicklungsbereich – nun auch die Geschäftsführung des Batterie-Recyclers REDUX übernommen.

Warum vergleichbare Anlagen in Österreich keinen Sinn machen würden und er die Batterie-Sammelquoten der EU für viel zu niedrig hält, verrät er im Interview.

 

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Saubermacher hat mit der Übernahme der REDUX GmbH nun einen ersten Schritt nach Deutschland gemacht. Warum ist das Batterien-Recycling dort im Vergleich zu Österreich so stark ausgebaut?

Der deutsche Markt ist etwa zehn Mal so groß wie der österreichische. Für die Aufbereitung von Batterien werden teure Maschinen und Anlagen gebraucht, wirtschaftlich zahlt sich das bei der Aufbereitung aber erst ab einer gewissen Menge aus. Dafür ist der österreichische Markt einfach zu klein. Deshalb ist Deutschland auch europaweit führend im Bereich des Batterierecyclings. Außerdem wird der überwiegende Teil der österreichischen Gerätebatterien ja auch in Deutschland aufbereitet.

 

Wo liegen die Hauptbeweggründe, das Recycling von Gerätebatterien zu forcieren? Stichwort lange propagierte Rohstoffknappheit.

Die Hauptgründe sind sicher Ökologie und Rohstoffknappheit – eine Batterie enthält viele wertvolle Rohstoffe. Sie kann aber auch gefährliche Elemente enthalten, was eine entsprechende Behandlung notwendig macht. Rein von der wirtschaftlichen Seite betrachtet, wäre in vielen Fällen die Deponierung aber immer noch am günstigsten. Leider ist das in vielen Teilen Europas auch immer noch erlaubt.

 

Die EU schreibt derzeit Sammelquoten von 25 Prozent vor. 2016 soll diese auf 45 Prozent angehoben werden. Wie hoch ist die Quote in Österreich? Und wo steht Österreich im Vergleich zum Rest der EU?

Österreich hat derzeit eine Sammelquote von knapp über 50 Prozent und ist damit eine der führenden Nationen in Europa. Das bedeutet aber auch, dass etwa 50 Prozent der Batterien nicht ordnungsgemäß entsorgt werden und zum Beispiel in Müllverbrennungsanlagen vernichtet werden! Aus ökologischer Sicht ist das für ein Land wie Österreich erschütternd.

 

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Sehr oft scheitert das Recycling schon an geringen Sammelquoten und inkonsequenter Mülltrennung. Ist das auch bei der Batteriensammlung ein Problem?

Landen Batterien erst mal im Restmüll, ist es praktisch unmöglich, sie da wieder rauszuholen. Das ist ein gewaltiges Problem.
Ein weiteres Problem ist, das viele namhafte Gerätehersteller wie zum Beispiel Apple ihre Geräte so bauen, dass die Batterie, also der Akku, kaum mehr entfernt werden kann. Deshalb gelangen sehr viele Batterien in den Elektroaltgeräte-Bereich, wo sie aber absolut nichts verloren haben und dementsprechend auch Schäden verursachen können. Sehr viele Brandfälle sind darauf zurückzuführen, das Lithium-Ionen-Akkus in Altgeräten vorhanden waren, deshalb falsch behandelt wurden und so Brände ausgelöst haben.

 

Wie viele Tonnen an entsorgten Batterien fallen in Österreich jährlich an?

Ungefähr 2000 Tonnen an Gerätebatterien fallen jährlich an, Fahrzeug- und Industriebatterien sind da nicht dabei. Verkauft werden aber jährlich knapp 4000 Tonnen. Das heißt, 2000 Tonnen an Batterien verschwinden spurlos. In den letzten paar Jahren steigen die Mengen aber leicht an.

 

Welche Rohstoffe können beim Recycling hauptsächlich gewonnen und in den Rohstoffkreislauf zurückgebracht werden?

Das kommt natürlich ganz auf den jeweiligen Batterietyp an. Wenn ich mir die klassischen Batterietypen so anschaue, dann sind es der Stahlmantel, ein kleines bisschen Kunststoff, Zink und Manganoxid. Bei Batterien aus dem Automobilbereich zum Beispiel ist es vor allem Aluminium oder Kupfer, es kann aber auch Kobalt sein. Das hängt ganz vom Chemismus der Batterie ab. Die Hauptfraktionen sind aber sicher Eisen, Zink, Mangan und Aluminium.

 

Kann eigentlich jede Art von Batterie verarbeitet werden, oder müssen immer noch einige auf die Deponie?

Das Sorgenkind ist momentan die Lithium-Ionen-Batterie, wie sie klassischerweise in modernen Mobiltelefonen, Laptops oder auch im E-Mobility-Bereich verbaut wird. Hier gibt’s eigentlich noch keine großtechnische Systemlösung zur Verwertung. Das war auch der Grund dafür, dass Saubermacher jetzt drei Jahre lang in diese Richtung geforscht hat. Da schaffen wir mittlerweile Recyclingquoten bis 70 Prozent!
Es gibt auch andere problematische Batterietypen, die aufgrund ihrer Zusammensetzung schwieriger zu recyceln sind, aber trotzdem aufgearbeitet werden können. Auf die Deponie geht in Österreich aber längst nichts mehr.

 

Der erste Schritt einer erfolgreichen Wiederverwertung ist die Sortierung. Wonach wird sortiert, bzw. wie läuft dieser Prozess eigentlich ab?

In Trofaiach (Anm.: Saubermacher-Standort in der Obersteiermark) werden sie noch händisch sortiert, in Deutschland teilweise auch schon vollautomatisch. Das richtet sich letztendlich nach Größe und Chemismus der Batterien. Kleine Knopfzellen zum Beispiel kann man sehr gut mechanisch trennen, bei den klassischen Batterietypen muss man schon genauer hinschauen, weil es da verschiedene Zusammensetzungen gibt, die auch unterschiedlich verarbeitet werden müssen. Manche sind da problematisch, wie etwa Nickel-Cadmium oder quecksilberhaltige Batterien. Die sind zwar in der Produktion schon lange verboten, aber im Abfallbereich kommt das alles mit irrsinniger Zeitverzögerung. Das läuft noch hauptsächlich händisch ab.
In Bremerhaven haben wir eine vollautomatische Anlage mit Röntgenstrahlen, die die Batterietypen erkennt und dementsprechend trennen kann.

 

Stellen moderne Technologien wie etwa die steigende E-Mobilität die Branche vor eine Herausforderung?

Gerade die E-Mobilität führt dazu, dass die gesamte Batteriemenge mit Schwerpunkt Lithium-Ionen rasant ansteigt. Allein der Akku eines einzigen E-Autos kann ja schon bis zu 600 Kilogramm wiegen. Ein normaler Haushalt schafft es wahrscheinlich in einem ganzen Leben nicht, 600 Kilo an Batterien zu verbrauchen. Da kommen wir in ganz neue Dimensionen.
Außerdem: Bisherige Batterien waren vom Brandschutz her eigentlich unbedenklich.
Die Lithium-Ionen-Batterien aber speichern extrem viel Energie auf kleinstem Raum, können sich daher aber auch entzünden, wenn sie beschädigt werden. Man nehme an, es passiert ein Unfall mit einem E-Auto und die Batterie ist beschädigt, da kann es schon sein, dass diese ein oder zwei Wochen danach noch zu brennen anfängt. Es ist eine große Herausforderung für die Branche, logistische Konzepte aufzustellen, die diesen Aspekten gerecht werden. Wir arbeiten da gerade sehr intensiv daran. Zum Beispiel haben wir als einziges Unternehmen in Österreich eine Transportgenehmigung für beschädigte Batterien und Akkus. Bei den Lithium-Ionen-Akkus gelten ja nicht die üblichen Vorschriften. Das Problem ist aber, das Ganze ist noch so neu, dass einem auch die Behörden nicht sagen können, wie das abzulaufen hat. Also muss man selbst funktionierende Lösungen suchen, Vorschläge einreichen und deren Sicherheit in Versuchen belegen. Und dann wird in jedem Bundesland einzeln geprüft – insgesamt hat der ganze Prozess anderthalb Jahre gedauert.

 

Wo liegen die größten Entwicklungspotenziale bei der Wiederverwertung von Batterien?

In den Batterien sind hauptsächlich Zink und Mangan enthalten. Das zu recyceln, ist der einfachere Weg. Es gibt aber auch einen komplizierteren. Wenn man wirklich in den Bereich der einzelnen Wertstoffe hineingeht. Je nach Typ sind zum Beispiel auch mal ein, zwei Prozent Kobalt enthalten. Und diese zwei Prozent auch noch sortenrein rauszubekommen und gemeinsam mit den anderen Stoffen im Sinne der Keislaufwirtschaft wieder zur Herstellung von Batterien zu verwenden, da liegt unser großes Ziel!

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